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FII - Faktor II prothrombin

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Prothrombin-Mutation FII G20210A

Die Mutation im Gen für Faktor II Prothrombin gehört zu den drei häufigsten Genmutationen, die die Blutgerinnung beeinflussen.  Sie tritt bei relativ großem Teil der europäischen Population, ca. 3% auf (Rosendaal et al. 1998). Es handelt sich um Punktmutation im 3´ des nicht translierten Genbereichs (G20210A). Bei mit dieser Mutation betroffenen Menschen ist das Risiko der Entwicklung einer thromboembolischen Krankheit erhöht. Infolge dieser Krankheit erhöht sich die Blutgerinnung und auch damit zusammenhängende Tendenz zur Bildung von Blutpfropfen (so genannten Thromben). Deswegen bezeichnen  wir diese Mutation als thrombophile Mutation.

Prothrombin-Mutation FII wird vererbt und bei den Betroffenen erregt sie eine erhöhte Bildung von Prothrombin (> 130 %), der die Disposition zur Blutgerinnung verursacht (Poort et al. 1996). Jeder Mensch hat in seinem Genom eine Kopie des Gens für den Faktor II von der Mutter und zweite Kopie dieses Gens vom Vater. Hat also ein Mensch in seinem Genom eine beschädigte (mutierte) Kopie und eine gesunde Kopie, sprechen wir über  ihn als Heterozygoten für die gegebene Mutation.  Das Risiko der Entwicklung einer Venenthrombose ist bei diesem  Mensch gegenüber dem Gesunden erhöht.  Falls er von den Eltern beide Kopien beschädigt vererbt, handelt es sich um so genannten mutierten Heterozygoten für die gegebene Mutation. Die Prothrombin-Mutation FII wird ungefähr bei 6% der Patienten mit schon entwickelter Venenthrombose festgestellt. Bei heterozygoten Trägern dieser Mutation ist das Risiko für eine Venenthrombose 2- bis 3-fach erhöht (Rosendaal et al. 1999).

Das Risiko einer Thromboembolie bei schwangerer Frau ist 15-fach höher beim Auftritt einer Prothrombin-Mutation im heterozygoten Zustand im Vergleich mit dem Risiko bei einer nicht schwangeren Frau ohne Mutation (Gerhardt et al. 2000, 2003, Martinelli et al. 2002). Im Falle einer Kombination der Prothrombin-Mutation und  der FV-Leiden-Mutation ist das Risiko der Thrombose in der Schwangerschaft um mehr als 100-fache höher (Gerhardt et al. 2000).

Die Blutklumpen, die sich bei der thromboembolischen Krankheit bilden, können sich von der Stelle, wo sie gebildet wurden, lösen und durch die Venen der Blutbahn wandern. An bestimmter Stelle  verhindern sie dann  normalen Durchfluss des Bluts. Das führt zur Störung der Durchblutung der Körperorgane, teilweise oder vollständig, und im schlimmeren Fall kann es bis zum Tod des Menschen führen.

Die Blutpfropfen entstehen am meisten in tiefen Venen in den Beiden in Waden-, Kniekehlen- oder Leistengegend. Wird die Thrombose nicht rechtzeitig behandelt, kommt es in 25 % Fällen zu Lungenembolie, bei der die Blutpfropfen durch die Blutbahnen zu den Lungenadern wandern. Die Lungenadern werden durch den Blutpfropfen verstopft und in vielen Fällen kommt es dadurch zum Herzstillstand.

Die Mutation selbst ist nicht die einzige Bedingung für die Entwicklung der thrombofilischen Krankheiten. Eine bedeutende Rolle spielen auch andere Faktoren, die zusammen mit der Erbveranlagung das Thromboserisiko bestimmen. Bei Patienten, die schon einmal eine Thrombose durchgemacht haben, ist das Risiko einer Wiederkehr der Krankheit höher. Die Probleme verschlechtern sich mit höherem Alter des Patienten.

Das Thromboserisiko steigt vielfältig bei Frauen die Hormonverhütungsmittel verwenden. Das Verhütungsmittel selbst erhöht die Blutgerinnung. Bei der Kombination des Verhütungsmittels mit der vererbten Mutation sind die Komplikationen sehr wahrscheinlich.  Mädchen, bei denen die Familienverwandten schon eine Thrombose durchgemacht haben, sollten sich noch vor Einsatz der Hormonverhütungsmittel über dieses Problem mit dem behandelnden Arzt beraten.

Ebenfalls während der Schwangerschaft ist das Thromboserisiko bei den Frauen erhöht und in einigen Fällen werden dadurch Fehlgeburten oder Frühgeburten verursacht.

Thrombotische Probleme werden auch durch längerfristige Fixation der Glieder (Gipsverbände) oder länger dauernde  ruhige Lage z.B. beim Reisen  verursacht.

Zur etwaigen Prävention und Minimalisierung der Probleme, die mit der erblichen Veranlagung der Entwicklung von thromboembolischen Krankheiten verbunden sind, ist die Kenntnis dieser erblichen Veranlagungen erforderlich.

Ein Patient, der seine Erbveranlagungen, die ein höheres Risiko der thromboembolischen Krankheiten darstellen, kennt, kann präventiv seine Lebensweise anpassen und dadurch weitere Risiken und Faktoren, die zur Entwicklung der Thrombose beitragen, vermeiden.

Zitation:

Poort SR, Rosendaal FR, Reitsma PH, et al. A common genetic variation in the 3´- untranslated region of the prothrombin gene is associated with elevated plasma pro­thrombin levels and an increase in venous thrombosis. Blood 1996; 88: 3698-3703.

Rosendaal FR. Venous thrombosis: a multicausal disease. Lancet 1999; 353: 1167-1173.

Rosendaal, F. R.; Doggen, C. J. M.; Zivelin, A.; Arruda, V. R.; Aiach, M.; Siscovick, D.S.; Hillarp, A.; Watzke, H. H.; Bernardi, F.; Cumming, A. M.; Preston, F. E.; Reitsma, P.H. : Geographic distribution of the 20210 G to a prothrombin variant. Thromb.Haemost. 79: 706-708, 1998.

Gerhardt, A., Scharf, R.E., Beckmann, M.W., Struve, S., Bender, H.G., Pillny, M., Sandmann, W. & Zotz, R.B. (2000) Prothrombin andfactor V mutations in women with a history of thrombosis during pregnancy and the puerperium. New England Journal of Medicine,

342, 374-380.

Gerhardt, A., Scharf, R.E. & Zotz, R.B. (2003) Effect of hemostatic risk factors on the individual probability of thrombosis during pregnancyand the puerperium. Thrombosis and Haemostasis, 90, 77-85.

Martinelli, I., De Stefano, V., Taioli, E., Paciaroni, K., Rossi, E. & Mannucci, P.M. (2002) Inherited thrombophilia and first velus thromboembolism during pregnancy and puerperium. Thrombosis and Haemostasis, 87, 791-795.

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