
FV Leiden
Leiden-Mutation - Faktor V Leiden Mutation (G1691A)
Die FV Leiden Mutation befindet sich im Gen für den Faktor V (F5; OMIM 227400) und gehört zu den wichtigsten der bisher identifizierten Mutationen in Genen, die die Blutgerinnung beeinflussen. FV Leiden Mutation wird durch Austausch von Nukleotid G durch A in Position 1691 Exon 10 im Gen für den Faktor V. Menschen, die diese Mutation tragen, haben erhöhtes Risiko der Entwicklung einer thromboembolischen Krankheit (Seligsohn et al. 2001) - es kommt bei ihnen zur erhöhten Blutgerinnung und Bildung von Blutpfropfen (so genannten Thromben). Deswegen wird die FV Leiden- Mutation als thrombophil bezeichnet.
Leiden-Mutation wird vererbt. Jeder Mensch hat in seinem Genom eine Kopie des Gens für den Faktor V von der Mutter und zweite Kopie dieses Gens vom Vater. Hat also ein Mensch in seinem Genom eine beschädigte (mutierte) Kopie und eine gesunde Kopie, sprechen wir über ihn als Heterozygoten für die gegebene Mutation. Dieser Mensch hat lebenslänglich 8-fach erhöhtes Risiko des Auftretens der Venenthrombose (Ridker et al. 1995). Falls er von den Eltern beide Kopien beschädigt vererbt, handelt es sich um mutierten Heterozygoten für die gegebene Mutation. Beim so betroffenen Menschen ist das Thromboserisiko lebenslänglich sogar um das 80-fache erhöht (Ridker et al. 1995).
Die Blutklumpen, die sich bei der thromboembolischen Krankheit bilden, können sich von der Stelle, wo sie gebildet wurden, lösen und durch die Venen der Blutbahn wandern. An bestimmter Stelle verhindern sie dann normalen Durchfluss des Bluts. Das führt zur Störung der Durchblutung der Körperorgane, teilweise oder vollständig, und im schlimmeren Fall kann es bis zum Tod des Menschen führen.
Die Blutpfropfen entstehen am meisten in tiefen Venen in den Beiden in Waden-, Kniekehlen- oder Leistengegend. Wird die Thrombose nicht rechtzeitig behandelt, kommt es in 25 % Fällen zu Lungenembolie, bei der die Blutpfropfen durch die Blutbahnen zu den Lungenadern wandern. Die Lungenadern werden durch den Blutpfropfen verstopft und in vielen Fällen kommt es dadurch zum Herzstillstand.
Die Mutation selbst ist nicht die einzige Bedingung für die Entwicklung der thrombofilischen Krankheiten. Eine bedeutende Rolle spielen auch andere Faktoren, die zusammen mit der Erbveranlagung das Thromboserisiko bestimmen. Bei Patienten, die schon einmal eine Thrombose durchgemacht haben, ist das Risiko einer Wiederkehr der Krankheit höher. Die Probleme verschlechtern sich mit höherem Alter des Patienten.
Das Thromboserisiko steigt vielfältig bei Frauen die Hormonverhütungsmittel verwenden. Das Verhütungsmittel selbst erhöht die Blutgerinnung. Bei der Kombination des Verhütungsmittels mit der vererbten Mutation sind die Komplikationen sehr wahrscheinlich. Mädchen, bei denen die Familienverwandten schon eine Thrombose durchgemacht haben, sollten sich noch vor Einsatz der Hormonverhütungsmittel über dieses Problem mit dem behandelnden Arzt beraten.
Ebenfalls während der Schwangerschaft ist das Thromboserisiko bei den Frauen erhöht und in einigen Fällen werden dadurch Fehlgeburten oder Frühgeburten verursacht.
Thrombotische Probleme werden auch durch längerfristige Fixation der Glieder (Gipsverbände) oder länger dauernde ruhige Lage z.B. beim Reisen verursacht.
Zur etwaigen Prävention und Minimalisierung der Probleme, die mit der erblichen Veranlagung der Entwicklung von thromboembolischen Krankheiten verbunden sind, ist die Kenntnis dieser erblichen Veranlagungen erforderlich.
Ein Patient, der seine Erbveranlagungen, die ein höheres Risiko der thromboembolischen Krankheiten darstellen, kennt, kann präventiv seine Lebensweise anpassen und dadurch weitere Risiken und Faktoren, die zur Entwicklung der Thrombose beitragen, vermeiden.
Zitation:
Seligsohn U, Lubetsky A. Genetic susceptibility to venous thrombosis.N Engl J Med 2001;344:1222-31.
Ridker, P. M., Hennekens, C. H., Lindpaintner, K., Stampfer, M. J., Eisenberg, P. R. Mutation in the gene coding forcoagulation factor V and the risk of myocardial infarction, stroke, and venous thrombosis in apparently healthy men. N. Engl. J. Med., 1995, 332, p. 912-917.


