
Vögel Grüne/Blaue Eierschalenfärbung bei Hühnern
Grüne/Blaue Eierschalenfärbung bei Hühnern
Die Färbung der Eierschale bei Hühnern entsteht durch die Ablagerung von Pigmenten während der Eibildung im Eileiter. Die grüne/blaue Färbung wird hauptsächlich durch das Pigment Biliverdin verursacht, das beim Abbau von Häm entsteht. Im Gegensatz zum braunen Pigment (Protoporphyrin), das nur auf der Oberfläche der Schale abgelagert wird, ist Biliverdin in der gesamten Schalenstruktur vorhanden. Daher sind grüne/blaue Eier nicht nur außen, sondern auch im Inneren der Schale gefärbt.
Die genetische Grundlage der grünen/blauen Eierschalenfärbung ist mit dem Gen SLCO1B3 verbunden, das ein Transportprotein codiert, welches den Transport von Biliverdin in die Schale während ihrer Bildung ermöglicht. Dieses Merkmal wird traditionell als O-Allel (Oocyan) bezeichnet und autosomal-dominant vererbt. Das bedeutet, dass bereits eine Kopie dieses Allels ausreicht, damit eine Henne grüne/blaue Eier legt. Individuen mit dem Genotyp O/O oder O/o produzieren grüne/blaue Eier, während Individuen mit dem Genotyp o/o Eier ohne grünes/blaues Pigment legen, deren endgültige Farbe (weiß oder braun) von weiteren genetischen Faktoren abhängt.
Auf molekularer Ebene wird die grün/blaue Färbung durch die Insertion eines retroviralen Elements (EAV-HP) in die regulatorische Region des Gens SLCO1B3 verursacht. Diese Mutation führt dazu, dass das Gen aktiv in der Schalendrüse exprimiert wird, wodurch Biliverdin in die sich bildende Eierschale eingelagert werden kann. Die grüne Färbung der Schale, oft als „olive“ bezeichnet, entsteht nicht durch ein einzelnes Gen, sondern durch die Kombination des grün/blauen Pigments Biliverdin und des braunen Pigments Protoporphyrin. Trägt eine Henne das O-Allel und besitzt gleichzeitig eine genetische Veranlagung zur Ablagerung von braunem Pigment, ist die resultierende Schalenfarbe grün. Der genaue Farbton kann je nach Menge der einzelnen Pigmente variieren – von hellgrün bis dunkeloliv.
Interessanterweise könnte ein ähnlicher Phänotyp auch durch andere Mechanismen der Regulation des Gens SLCO1B3 entstanden sein, was darauf hindeutet, dass sich die grün/blaue Eifarbe bei verschiedenen Hühnerlinien unabhängig voneinander entwickelt haben könnte. Als eine der ursprünglichen Rassen, die grün/blaue Eier legen, gilt die aus Chile stammende Rasse Araucana. Diese Rasse wird seit langem mit einem geringeren Cholesteringehalt in Eiern in Verbindung gebracht. Diese Behauptung entstand jedoch eher als Marketingmythos, ist wissenschaftlich nicht belegt und wurde bereits in der Vergangenheit experimentell widerlegt. Die Farbe der Eierschale hängt nämlich nur mit den in die Schale eingelagerten Pigmenten zusammen, nicht mit der Zusammensetzung des Eigelbs.
Genetische Tests können helfen, das Vorhandensein der Variante des Gens SLCO1B3 zu bestimmen und so die gezielte Zucht von Hühnern mit gewünschter Eifarbe zu erleichtern. Der genetische Test wird am besten aus ausgezupften Federn durchgeführt.



