
Prüfung von Hunden: MCM
Lanzenzähne bei Shelties
Mesioverversion der oberen Eckzähne (MCM) ist eine dentale Anomalie, bei der der obere Eckzahn nach vorne in Richtung Nase verschoben ist. Betroffen sein kann einer oder beide oberen Eckzähne. Typische klinische Symptome sind eine traumatische Okklusion, bei der die Fehlstellung des Zahns Weichgewebe oder andere Zähne schädigt, außerdem Ulzerationen (Geschwüre) an der Oberlippe sowie ein erhöhtes Risiko für Parodontalerkrankungen. In schwereren Fällen ist die Extraktion des betroffenen Zahns oder eine kieferorthopädische Korrektur seiner Position erforderlich.
Bei Shetland Sheepdogs sind mit diesem Defekt zwei genetische Varianten in zwei nahe beieinanderliegenden Genen assoziiert: eine Substitution im Gen FTSJ3, das eine RNA-Methyltransferase kodiert und den wichtigsten genetischen Faktor für die Mesioverversion der oberen Eckzähne (MCM) darstellt, sowie eine Insertion im Gen GH1, das das Wachstumshormon kodiert und die Körpergröße des Hundes beeinflusst. Der Zusammenhang von GH1 mit MCM ist wahrscheinlich auf die enge genetische Kopplung mit FTSJ3 sowie auf seinen modifizierenden Einfluss auf den Phänotyp zurückzuführen. Ob diese Varianten gemeinsam als sogenannter Haplotyp wirken oder jeweils getrennt, ist bislang nicht genau bekannt.
Hunde, die für die Variante im FTSJ3-Gen homozygot sind, haben ein hohes Risiko für MCM unabhängig vom Körpergewicht. Bei heterozygoten Individuen für die FTSJ3-Variante hängt das Risiko für das Auftreten von MCM mit dem Körpergewicht zusammen; leichtere Hunde haben ein höheres Risiko als schwerere. Die Variante im GH1-Gen verursacht für sich allein kein MCM, jedoch weisen homozygote Individuen für diese Mutation eine verringerte Körpergröße auf, während Heterozygote eine leichte Größenreduktion zeigen. Hunde, die für beide Varianten heterozygot sind, kombinieren ein erhöhtes Risiko für MCM mit einer reduzierten Körpergröße, wobei das Körpergewicht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von MCM moduliert. Individuen, die für beide Varianten homozygot sind, zeigen ein hohes Risiko für MCM zusammen mit einer reduzierten Körpergröße, was den kombinierten Einfluss beider Gene widerspiegelt.
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References:
Abrams, S.R., Hawks, A.L., Evans, J.M., Famula, T.R., Mahaffey, M., Johnson, G.S., Mason, J.M., Clark, L.A. : Variants in FtsJ RNA 2'-O-Methyltransferase 3 and Growth Hormone 1 are associated with small body size and a dental anomaly in dogs. Proc Natl Acad Sci U S A 117:24929-24935, 2020. Pubmed reference: 32958658.



