
Prüfungen für Pferde: Maligne Hyperthermie
Maligne Hyperthermie (MH)
Die maligne Hyperthermie (MH) ist eine erbliche Erkrankung der Skelettmuskulatur, bei der die Einwirkung bestimmter auslösender Faktoren zu einem plötzlichen und lebensbedrohlichen hypermetabolischen Zustand führen kann. Sie wird am häufigsten mit einer Reaktion auf bestimmte Allgemeinanästhetika in Verbindung gebracht, eine Episode kann jedoch auch durch andere Faktoren wie intensive körperliche Belastung, Stress, Deckakt oder eine Erkrankung ausgelöst werden. Ein Pferd mit einer genetischen Prädisposition muss unter normalen Bedingungen keine klinischen Symptome zeigen. Wird jedoch eine Episode ausgelöst, kommt es zu einer unkontrollierten Steigerung des Stoffwechsels der Skelettmuskulatur. Typische Symptome sind Muskelsteifheit, ein rascher Anstieg der Körpertemperatur, erhöhte Herzfrequenz, Herzrhythmusstörungen, starkes Schwitzen und flache Atmung. Gleichzeitig kann es zu einer erhöhten Kohlendioxidkonzentration im Blut und zur Entwicklung einer metabolischen Azidose kommen. Der Zustand kann rasch fortschreiten und ohne rechtzeitige Intervention zum Tod des Pferdes führen.
Bei American Paint Horses, Appaloosas und Quarter Horses steht die maligne Hyperthermie mit der Mutation c.7363C>G im RYR1-Gen in Zusammenhang, das für den Ryanodin-Rezeptor 1 codiert. Dieses Protein bildet in der Skelettmuskulatur einen Kalziumkanal, der die Freisetzung von Kalziumionen aus dem sarkoplasmatischen Retikulum reguliert und somit eine wesentliche Rolle bei der Muskelkontraktion spielt. Bei Auslösung einer Episode kommt es zu einer übermäßigen Freisetzung von Kalzium in die Muskelzellen. Dies führt zu einer intensiven Muskelaktivität und einem starken Anstieg des Stoffwechsels, bei dem große Mengen an Wärme entstehen und sich weitere charakteristische Symptome der malignen Hyperthermie entwickeln.
Die Prädisposition für maligne Hyperthermie wird autosomal-dominant vererbt, sodass eine einzige Kopie des von einem Elternteil geerbten mutierten Allels für ihre Ausprägung ausreicht. Bei betroffenen Tieren beträgt das Risiko, die Erkrankung an die Nachkommen weiterzugeben, 50 %.
Das Vorhandensein der Mutation bedeutet nicht, dass es beim Pferd im Laufe seines Lebens zwangsläufig zu einer akuten Episode kommt. Für deren Entwicklung ist das Einwirken auslösender Faktoren von Bedeutung. Durch genetische Tests können Pferde mit einer Prädisposition für maligne Hyperthermie bereits vor dem Auftreten klinischer Probleme identifiziert werden. Die Kenntnis des Genotyps ist nicht nur für die Zuchtplanung von Bedeutung, sondern auch für die tierärztliche Versorgung und die Planung einer Allgemeinanästhesie, da der Tierarzt auf das erhöhte Risiko hingewiesen und die Auswahl der Anästhetika sowie das weitere Vorgehen entsprechend angepasst werden können.
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Referenz:
Aleman, M., Riehl, J., Aldridge, BM., LeCouteur, RA., Stott, JL., Pessah, IN.: Association of a mutation in the ryanodine receptor 1 gene with equine malignant hyperthermia. Muscle Nerve 30:356–65, 2004. PubMed reference: 15318347



