
Prüfungen für Pferde: SCC
Okulares Plattenepithelkarzinom (SCC)
Das okulare Plattenepithelkarzinom (SCC) gehört zu den häufigsten Tumorerkrankungen bei Pferden. Nach dem Sarkoid ist es der zweithäufigste diagnostizierte Tumor bei Pferden. SCC entsteht am häufigsten im Bereich des Limbus (Übergangsbereich zwischen Hornhaut und Lederhaut) und neigt dazu, sich axial in Richtung Hornhaut auszubreiten. Im weiteren Verlauf kann es sowohl zu einer Beeinträchtigung des Sehvermögens als auch zu einer Schädigung des Auges kommen. Neben der Hornhaut und dem Limbus tritt SCC relativ häufig am oberen und unteren Augenlid sowie am dritten Augenlid (Nickhaut) auf. Augentumoren sind häufig lokal invasiv und weisen eine erhöhte Rezidivrate auf.
Neben der genetischen Veranlagung können auch Umweltfaktoren zur Entstehung des Tumors beitragen. Dazu gehört insbesondere UV-Strahlung, die direkt auf das Tumorsuppressorgen p53 einwirkt, das eine wichtige Funktion bei der Unterdrückung der Tumorentstehung besitzt. Veränderungen der Genexpression können zu einer unkontrollierten Vermehrung von Zellen führen. Weitere Faktoren sind Viren, insbesondere Equines Papillomavirus Typ 2 (EcPV2), die Art der Pigmentierung sowie hormonelle Veränderungen. Kastrierte Pferde sind häufiger von SCC betroffen.
Bei einigen Pferderassen tritt SCC besonders häufig im Bereich des Limbus auf, was auf eine mögliche genetische Prädisposition für die Entstehung der Erkrankung hinweist.
Zu den Rassen mit der höchsten Häufigkeit von SCC gehören Appaloosa und American Paint Horse. Die weißen Bereiche ihres gescheckten Fells sind häufig unzureichend geschützt, da ihnen schützendes Pigment fehlt. Dieses Pigment schützt normalerweise vor der Anhäufung von durch UV-Strahlung verursachten Mutationen. Ähnlich verhält es sich im Bereich der Bindehaut und des Auges. Mehrere Studien weisen auf die Fuchsfarbe (Genotyp e/e, keine Produktion von Eumelanin und dadurch erhöhte Photosensibilität) sowie die graue Depigmentierungsfarbe, die durch einen fortschreitenden Pigmentverlust gekennzeichnet ist, als Risikofaktoren hin.
Eine weitere Rasse mit einer relativ hohen Anzahl diagnostizierter SCC-Fälle ist der Haflinger. Das niedrige Alter bei der Diagnose und die hohe Prävalenz der Erkrankung weisen auf eine mögliche genetische Prädisposition hin. Die hohe Erkrankungshäufigkeit könnte mit der für diese Rasse typischen Fuchsfarbe zusammenhängen.
SCC wird durch eine Mutation im DDB2-Gen (g.11726667C>T) begünstigt. Die Hauptfunktion dieses Gens besteht in der Reparatur von DNA-Schäden nach einer Belastung durch UV-Strahlung.
Neben den bereits genannten Rassen Appaloosa, American Paint Horse und Haflinger tritt SCC auch bei Belgischem Kaltblut, Connemara-Pony, Noriker, Percheron, Rocky Mountain Horse und Welsh Pony auf.
Das okulare Plattenepithelkarzinom wird autosomal-rezessiv vererbt. Die Erkrankung tritt somit bei Tieren auf, die die mutierte Variante von beiden Eltern erben. Diese Tiere werden als P/P (positiv/positiv) bezeichnet. Träger der mutierten Variante, bezeichnet als N/P (negativ/positiv), haben die Mutation nur von einem Elternteil geerbt und zeigen keine klinischen Symptome. Sie können die Mutation jedoch an ihre Nachkommen weitergeben.
Bei der Verpaarung zweier heterozygoter Träger (N/P) sind theoretisch 25 % der Nachkommen frei von der Mutation, 50 % Träger und 25 % erben die mutierte Variante von beiden Eltern und erkranken an SCC. Bei der Verpaarung eines freien Tieres (N/N) mit einem Träger (N/P) entstehen theoretisch 50 % Träger und 50 % freie Nachkommen. Bei der Verpaarung eines Trägers (N/P) mit einem betroffenen Tier (P/P) sind theoretisch 50 % der Nachkommen betroffen und 50 % Träger.
Bei Pferden mit dem Genotyp P/P werden regelmäßige Augenuntersuchungen empfohlen.
.
Literatur:
Bellone, Rebecca R., et al. “A missense mutation in damage-specific DNA binding protein 2 is a genetic risk factor for limbal squamous cell carcinoma in horses.” International Journal of Cancer 141.2 (2017): 342–353.



