Prüfung von Hunden: Zwergwuchs

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Zwergwuchs bei HUnde

Hypophysärer Zwergwuchs oder auch Nanismus ist eine metabolische Störung, die bei Deutschen Schäferhunden, Saarloos Wolfshunden, Tschechoslowakischen Wolfshunden und Tibetan Terrier vorkommt. Diese Krankheit wird durch Degeneration der Hypophyse und folgenden Mangel an hypophysären Hormone charakterisiert. Es handelt sich konkret  um reduzierten Spiegel von Wachstumshormonen, Thyrotropin, Prolaktin und Gonadotropinen und im Gegensatz dazu bleibt die Sekretion des adrenokortikotropen Hormons erhalten.

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Genetik der Zwergwuchs

Der Zwergwuchs ist durch Mutation innerhalb des LHX3-Gens auf CFA9-Chromosom, welches für den Transkriptionsfaktor kodiert, der die effektive Verbreitung der Stammzellen der Hypophyse nach der Differenzierung der kortikotropen Zellen verhindert, verursacht.  Die Sequenzierung des  LHX3-Gens entdeckte die Deletion c.622-37-31del in einer von sechs 7bp Repetitionen im Intron 5 des LHX3-Gens, welche die Reduzierung der Introngröße auf 68 bp verursacht. Bei einem Deutschen Schäferhund wurde die Heterozygotät für Insertion einer ACA-Drei-Nukleotid-Sequenz im Exon 5 nachgewiesen.

Das Genomia Labor  führt Prüfungen zur Detektion beider oben beschriebenen Genmutationen, die zum Zwergwachstum führen, durch.

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Erblichkeit

Zwergwuchs ist eine autosomal rezessive Erkrankung. Das bedeutet, dass sich die Krankheit nur bei den Hunden entwickelt, die den mutierten Gen von beiden Elternteilen vererbt haben; diese Hunde werden als P/P (positiv / positiv) gekennzeichnet. Die Träger dieses mutierten Gens (N/P, d.h. negativ / positiv) sind klinisch gesund, aber tragen die Krankheit auf seine Nachkömmlinge über. Falls zwei heterozygote Hunde (N/P) gepaart werden, wird theoretisch 25 % des Nachwuchs ganz gesund (N/N), 50 % werden Träger und 25 % vererben den mutierten Gen von beiden Elternteilen und werden an Zwergwuchs leiden (P/P).

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Klinische Äußerung des Zwergwuchses

Die betroffenen Tiere können in den ersten Wochen ihres Lebens normale Größe haben. Danach wachsen sie langsamer als ihre gesunden Geschwister im Wurf. Das zeigt sich auch in unterschiedlichen  Zunahmen an Gewicht. Zwischen dem 3. und 4. Monat sind die Unterschiede schon auffällig.  Die betroffenen Hunde sind die kleinsten Welpen im Wurf mit sichtbar langsamem Wachstum, die niemals normale Größe im Erwachsenenalter erreichen.  Eine andere markante klinische Manifestation des  hypophysären Zwergwuchses ist, dass die Zwerge ihr  Welpenfell behalten. Mit der Zeit geht das Fell großflächig aus und das Tier zeigt eine Alopezie,  meisten am Körper und Hals.  Infolge des vermehrten Haarausfalls bei den betroffenen Tieren kann die Haut gereizt und hyperpigmentiert werden und die Haut dadurch dunkler erscheinen. Außerdem sind die Zwerge durch eine verminderte Immunität der Haut deutlich anfälliger für bakterielle Hautinfektionen.

Die Insuffizient der Hypophyse ist eine ernsthafte Störung, die weitere Organe beeinflusst.  Zum Beispiel führt die Insuffizienz des Wachstumshormons zu unzureichender Entwicklung der Nieren, die zu einem chronischen Nierenversagen führt. Der Mangel an TSH führt zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die das Tier langsam und schwerfällig macht. Bei Rüden führt die Insuffizienz der Gonadotropine zu einem Kryptorchismus der Hoden. Die weiblichen Zwerge werden läufig, ovulieren aber nicht.

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Behandlung

Die Behandlung beruht eher in der Kompensierung der begleitenden Gesundheitskomplikationen.

Die logischste Variante wäre die betroffenen Hunde mit caninem Wachstumshormon zu behandeln. Leider ist es nicht möglich, da dieses Hormon für therapeutische Zwecke nicht verfügbar ist. Aus diesem Grund würde sich die Verwendung des menschlichen Wachstumshormons anbieten. In der Vergangenheit wurden Versuche mit der Behandlung der Hypophyse bei Hunden mit menschlichem Wachstumshormon registriert. Diese Behandlung ist nicht nur sehr teuer, aber ihre Anwendung wird auch durch die Produktion von Abwehrstoffen verhindert. Als bessere Behandlungsalternative scheint die Anwendung des Schweinewachstumshormons zu sein. Die Verabreichung des Schweinewachstumshormons wird keine Produktion der Gegenstoffe zur Folge haben, da die Aminosäure-Sequenz des Schweinewachstumshormons mit dem caninen Wachstumshormon identisch ist. Aber auch diese Behandlung hat ihre Nachteile. Diese Behandlung kann wegen höheren Spiegels des Wachstumshormons zur Entwicklung des Diabetes mellitus führen. Deswegen wird empfohlen im Laufe der Behandlung die Plasmakonzentration des Wachstumshormons und der Glukose zu überwachen.

Alternativ ist eine langfristige Behandlung mit Medroxyprogesteronazetat  oder Proligeston möglich. Das Progestin ist fähig die Expression des Wachstumshormongens in der Brustdrüse der Hunde zu induzieren.  Jedoch ebenfalls diese Behandlung bringt weitere Komplikationen in Form von sich wiederholenden Perioden von juckender Pyoderma und zystischer Hyperplasie  des Endometriums bei den weiblichen Hunden mit.

Die empfohlene Therapie zur Behandlung der sekundären Hypothyreose ist die Verabreichung des synthetischen Levothyroxins. Da seine Absorption und Metabolismus variable sind, muss die Dosis des Levothyroxins angepasst werden, um zufriedenstellende klinische Reaktion zu erreichen.

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Prognose

Ohne ordnungsgemäße Behandlung ist die Langzeitprognose schlecht. Im Alter von 3-5 Jahren ist das Tier gewöhnlich fast nackt, abgemagert und apathisch. Zum Glück verbessert sich die Prognose deutlich, falls die mit Zwergwuchs betroffenen Welpen richtig und rechtzeitig mit Levothyroxin und entweder mit Schweinewachstumshormon oder Progestin behandelt werden.

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Referenz:

Thaiwong, T., Corner, S., Forge, S., Kiupel, M.: Dwarfism in Tibetan Terrier dogs with an LHX3 mutation. J Vet Diagn Invest 33:740-3, 2021. Pubmed reference: 33890524

Annemarie M.W.Y. Voorbij; Hans S. Kooistra, DVM, PhD, Dipl ECVIM-CA ; Pituitary Dwarfism in German Shepherd Dogs ; JVCS, Vol. 2, No. 1, January 2009

Annemarie Voorbij and Hans Kooistra et al. ; Pituitary dwarfism in German shepherd dogs and Saarloos wolfhounds ;  Department of Clinical Sciences of Companion Animals, Faculty of Veterinary Medicine, Utrecht University

Kate L. Tsai, Rooksana E. Noorai et al. ; Genome-wide association studies for multiple diseases of the German Shepherd Dog ; Mamm Genome (2012) 23:203-211 ; DOI 10.1007/s00335-011-9376-9

Annemarie M. W. Y. Voorbij et al; A Contracted DNA Repeat in LHX3 Intron 5 Is Associated with Aberrant Splicing and Pituitary Dwarfism in German Shepherd Dogs ; PLoS ONE 6(11): e27940. doi:10.1371/journal.pone.0027940

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